„Keine Industrie ist vor digitaler Disruption gefeit“ via @HolgerSchmidt

vor 2 Stunden

Meinungsmacher: The Queen of Cool

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Sandra Hartwig

Sei es der Hoodie oder das Du – womit Kai Diekmann einst für Furore in den Vorstandsriegen sorgte, scheint nun zum Standard der Unternehmenslenker geworden zu sein. Doch reichen die mit der Startup-Szene assoziierten Symboliken aus, um den digitalen Wandel zu bestreiten? Nicole Mai, Senior Beraterin bei Cribb, hat sich das Phänomen genauer angeschaut und berichtet über ihre persönlichen Erfahrungen.

Unsere Konzernlenker scheinen sich gerade zu befreien, von Krawatte, dem „Sie“ und sogar von ihren bisherigen Vornamen, wie zuletzt von Hans-Otto Schrader, dem Vorstandschef bei Otto, bekannt wurde. Das Manager Magazin nimmt diesen Trend im aktuellen Titel „Kings of Cool“ auf. Nicole Mai, Co-Gründerin von SAAL ZWEI und Senior Beraterin bei der Cribb Personalberatung, beobachtet dieses Phänomen im eigenen Umfeld und fragt Sie, ob Sie denn schon „Queen of Cool“ sind?

„Unsere ehrwürdigen Konzernlenker üben gerade den Befreiungsschlag: Dieter Zetsche bei Daimler von der Krawatte, Hans-Otto Schrader, Vorstandschef beim Handelskonzern Otto vom „Sie“ und zusätzlich von seinem eigenen Vornamen Hans-Otto – er sei nicht dynamisch genug. Er freut sich über die Ansprache mit seinem Spitznamen ‚Hos‘ und bittet: Alle 53.000 Mitarbeiter des Konzerns weltweit können jetzt die eigenen Vorstände duzen. Sozusagen als Startschuss für das interne Projekt ‚Kulturwandel 4.0‘.

Passend dazu titelt die aktuelle Ausgabe vom Manager Magazin ‚Kings of Cool‘ und karikiert den neuen Managertyp stellvertretend durch Jo­han­nes Teys­sen (Eon), Jür­gen Zet­sche (Daim­ler) und Tim Hött­ges (Te­le­kom, v. l.) in Jeans, Pilotenjacke, pinkem Sweater und mit lässigen Kopfhörern.

Vielleicht kennen Sie es auch: Mittlerweile kann man sich im eigenen Umfeld ebenso die Frage stellen, wie man optimaler Weise seinen Geschäftspartnern, Kollegen und Mitarbeitern gegenüber tritt, ohne das falsche Signal zu setzen – ‚Du‘ oder doch noch lieber ‚Sie‘, dunkelblauer Hosenanzug oder doch Sneakers mit Kleid. Macht man den Workshop im Hotel oder im Co-Working Space? Was beflügelt die Beziehung zwischen Menschen mehr und damit auch am Ende das Ergebnis?

Just letzte Woche hatte ich meinen persönlichen ‚Clash of Cultures‘: Erst war ich bei den ‚Online Marketing Rockstars‘, der Plattform für die digitalen Marketeers, und anschließend bei einer Stiftungsrunde, die ehrenwerte Unternehmer und Kaufleute als Mitglieder zählt. Bei den Marketeers herrschte buntes Treiben, Experimentierfreude mit digitalen Gadgets, Vorträge, bei denen man auch mal auf dem Boden sitzen konnte. Style: Hoodies und Sneakers. Rüber zur Stiftung – hier gab es in einem klassischen Konferenzraum in einem Hotel einen wissenschaftlichen Vortrag, viele Powerpoint-Slides, sehr wertschätzende Rückfragen, aber auch viel dunkles Tuch, weniger Impulse und Aufbruchstimmung.

Im Abgleich mit den Geschichten von Otto, Daimler, Telekom & Co denke ich, dass es nur eine Frage der Zeit sein wird, bis auch Deutsche Bank-Vorstandschef John Cryan allen das Du anbietet und im Hoodie die Vollversammlung hält. Ok, das wird es vielleicht nicht gleich sein,  aber es zeigt sich, dass je mehr die Unternehmen Konkurrenz aus der digitalen Start-up Szene bekommen, desto mehr sind sie gezwungen, sich auch selbst neu zu erfinden. Zunächst war es der Handel und die Telekommunikationsbranche, die Autobauer und der Energiesektor folgen gerade, die Fintech-Szene lauert schon.

Und wie sieht es bei Ihnen aus, sind Sie schon die Queen of Cool? Dahinter steht mehr, als nur das ‚Du‘ anzubieten und den Hosenanzug zu tauschen, aber die Mühe, sich damit auseinander zu setzen, kann sich lohnen…“

Nicole Mai ist Senior Beraterin bei Cribb und Co-Gründerin der Medienplattform SAAL ZWEI.

Dieser Artikel ist zuerst am 2. März 2016 auf SAAL ZWEI erschienen.