South by Southwest 2014: Ein persönliches Fazit

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Dwight Cribb

Zurück in Deutschland, wundere ich mich etwas darüber, was es alles Interessantes bei der SXSW gegeben haben soll. Ich habe sechs Tage lang in Austin auf der Suche nach neuen Erkenntnissen verbracht – und sehr wenig mit nach Hause gebracht.

Es erinnert an den alten Spruch, dass wenn man 10.000 Affen an Schreibmaschinen setzt, auch das ein oder andere Sinnvolle dabei raus kommt. Wenn man also mehrere tausend Referenten auf die Bühne stellt, dann wird auch das eine oder andere gute Zitat dabei raus kommen.

Tatsächlich habe ich das, was dort auf den Podien, Bühnen und Panels dargeboten wurde, im Gros als wenig erhellend empfunden. Viele Referenten schienen unvorbereitet, teils erstaunt, in einem Panel nach ihrer Meinung und Einschätzung gefragt zu werden. Die SXSW, liebevoll von ihren Fans auch South-by genannt, hat dabei das perfekte Alibi: Da zeitgleich dutzende Vorträge stattfinden, vermutet man ständig, einfach Pech zu haben und im falschen Vortrag zu sitzen. Aber meine Lebenserfahrung sagt mir, so viel Pech habe ich nicht.

Die Investition in Zeit und Geld verdient Austausch auf höchstem Niveau. Die Gesprächspartner wären vorhanden.

Es mag altmodisch anmuten, als zahlender Gast einer Konferenz Inhalte zu erwarten, statt sich über die Freigetränke zu freuen und sich auf die paar sinnvollen Zitate zu fokussieren, die von unzähligen Medienvertretern und Bloggern anschließend verbreitet werden. Aber die Investition in Zeit und Geld, die alle Teilnehmer tätigen, verdient es, dass dort auf höchstem Niveau der Austausch von Trends, News, Best Practices und Ideen stattfindet.

Es ist umso befremdlicher, dass dies nicht passiert, wenn man die Qualität der Besucher ansieht. Ich habe deutlich interessantere Gespräche mit Gästen geführt, als ich Vorträge gehört habe. Schade nur, dass die vielen interessanten Gäste so viel Zeit in nichtssagenden Vorträgen verbrachten, sonst hätte ich noch mehr davon kennenlernen können. Allein das deutsche Kontingent, so groß wie nie zuvor, lieferte Stoff für tagelange Gespräche. Die kann ich aber auch in Deutschland führen.

Kompliment an Curt-Simon Harlinghausen und Dank den Organisatoren der deutschen Präsenz vor Ort – aber ein zweites Mal werde ich die SXSW in diesem Format wohl nicht besuchen.

Vielleicht sollte man aus der SXSW ein riesiges Barcamp machen und die tausenden interessanten Besucher richtig einspannen für einen interessanten Diskurs. Damit auch die Medien auf ihre Kosten kommen und es genug Schlagzeilen gibt – schauen wir uns Edward Snowden (tolle Leistung, seinen ersten Auftritt zu bekommen!) im Livestream an, Chelsea Clinton sponsert die Toiletten und  abends am Lagerfeuer erzählt sie uns, wie sie Bill & Hillary beigebracht hat, SMS zu schreiben und ihre Handys zu laden.

Im aktuellen Format werde ich die SXSW wohl kein zweites Mal besuchen, obwohl es sehr schade ist, die anderen Besucher nicht zu treffen. Vielleicht mache ich es aber auch wie eine deutsche Besucherin, die sich die rund $ 1.000 für den Eintritt gespart und sich nur darauf konzentriert hat, andere Besucher kennenzulernen.

An dieser Stelle möchte ich aber auch ein sehr ehrliches Kompliment und großen Dank an Curt-Simon Harlinghausen und an die Organisatoren der deutschen Präsenz vor Ort richten. Alles richtig gemacht, Simon hat die Reisegruppe und WG der Superlative zusammengestellt und es gab gute Leute, ein gutes Forum (German Haus, deutscher Stand auf der Messe) und eine gute Kommunikation (German Folks Haus).