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Feature Artikel
Das Mädchen Lamo
(wiwo.de vom 28.3.2009)
Es gibt Menschen, die sind noch nie Auto gefahren, haben noch nie einen Lichtschalter betätigt, und ein Windows-PC ist für sie ein reines Rätsel. WiWo.de-Autor Mehmet Toprak über ein Leben ohne
Technik.
Das Mädchen in dem Bild, das so scheu in die Kamera blickt, heißt Lamo und stammt aus Tibet. Mir fällt dazu immer eine TV-Reportage über Nomaden in der Hochlandsteppe Changthang ein. Mehr als 4000
Meter über dem Meeresspiegel. Lamo könnte eine dieser Nomaden sein. An einer Stelle sagte der Sprecher in der Reportage: "Sie leben noch wie vor 5000 Jahren." Diese Leute sind also noch nie Auto
gefahren, sie haben noch nie einen Lichtschalter betätigt, noch nie einen Telefonhörer abgenommen, und ein Windows-Computer wäre für sie eine nutzlose Blechkiste.
Die Idee ist verrückt, aber wie wäre es, wenn wir Lamo die Geschichte der Technik erzählen? Für sie wäre das eine gedankliche Reise in die eigene Zukunft. Man würde sich eine Nacht lang Zeit nehmen,
im Zelt sitzen, ein wärmendes Feuer machen und dann erzählen: von Dampfmaschine und Eisenbahn, Glühbirne, Schreibmaschine, Auto, Flugzeug und Fernseher. All die Erfindungen, die unser Leben
erleichtern. Technik-Geschichte im Zeitraffer. Wir haben eine Nacht lang Zeit und Lamo hört mit großen Augen zu.
Computer und Milliarden Sterne
Das Feuer ist längst erloschen und Millionen Sterne funkeln am Nachthimmel, wenn wir im 21. Jahrhundert und schließlich beim Computer angekommen sind. Begeistert würden wir erzählen, wie wir alle
Aufgaben am Bildschirm erledigen, wie PCs immer schneller werden und wie das Mobiltelefon uns hilft, miteinander in Kontakt zu bleiben. Die stolzen Hightech-Nomaden der modernen Welt.
Irgendwann wird Lamo aber die entscheidende Frage stellen: "Warum macht ihr das alles?" Da müssen wir innehalten und überlegen. Was bringt die Computertechnik? [mehr...]
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Aktuelles
Mit dem Handy auf Menschenjagd
(spiegel.de vom 14.4.2009)
Einer rennt, die anderen versuchen, ihn zu finden: Eine Bremer Start-up-Firma hat dieses uralte Spielprinzip mit moderner Technik verknüpft und so das Jagdspiel der Generation Gameboy erfunden. Schon
die erste Vorabversion hat Hunderte Fans gefunden.
Paul Zachos, Mitgründer des Bremer Start-ups urban team, ist auf der Flucht. Er sprintet los, vorbei an einem Gebäude, dann über eine Wiese. Wild flitzen seine Pupillen hin und her, prüfen abwechselnd
die Umgebung und das Handy in seiner linken Hand. Das "Radar" darauf zeigt unterschiedlich große konzentrische Kreise, der Radius des größten entspricht in der Realität einem Kilometer Luftlinie.
Zachos ist darin das schwarz-orange Kreuz, das sich zügig vom Mittelpunkt wegbewegt. Denn dort lauern eine rote, eine blaue und eine grüne Kugel. "In wenigen Sekunden werden sie ausschwärmen", erklärt
Zachos. Der 32 Jahre alte Informatiker testet das Produkt von urban team, das Spiel "FastFoot-Challenge". Es kombiniert die Idee von "Räuber und Gendarm" mit Kommunikations- und Navigationstechnologie.
Spielgerät ist das Handy. Falls es über keinen GPS-Empfänger verfügt, muss es über den Funkstandard Bluetooth ansprechbar sein. Für die Ortung sorgt dann eine sogenannte GPS-Maus, wie Zachos sie in
seiner Brusttasche trägt. In der Rolle des "X" sieht er Position, Entfernung und Bewegungsrichtung seiner drei Verfolger dauernd, diese ihn jedoch auf ihrem "Handy-Radar" nur alle sechs Minuten.
Schafft es einer, sich Zachos innerhalb von 25 Minuten auf mindestens 50 Meter zu nähern, ist er der Gewinner, schafft es keiner, ist es Zachos. [mehr...]
Die Unverdorbenen
(spiegel.de vom 30.3.2009)
Ein badisches Dorf vernetzt sich mit der Welt.
Hartmann steht im Graben, hüfttief, in den Händen hält er eine Schaufel und schippt Erde. Er hat ein Ziel. Waldstetten soll näher an die Welt. Hartmann gräbt sein Dorf ans Internet.
Waldstetten liegt in einem Winkel oben rechts in Baden-Württemberg. Helmut Hartmann ist der Ortsvorsteher, ehrenamtlich, in seine Zuständigkeit fallen 600 Einwohner, 210 Telefonanschlüsse und ein
daumendickes Kupferkabel. "Des Kabel isch des Problem", sagt Hartmann. Es ist zu dünn. Das Dorf braucht Glasfaser, sagt er. Deshalb ist er hier mit seiner Schaufel. Hartmann, 58 Jahre alt, ist immer in Bewegung. Wenn er spricht, bilden sich Atemwölkchen vor seinem Mund, es sieht aus, als wäre der Ortsvorsteher mit Dampf betrieben, während er sich durch den
steinigen Boden arbeitet. Er sagt, für ihn sei die Arbeit ein Ausgleich zu seinem Beruf als Schuldirektor. Es ist der letzte Grabungstag, ein Samstagmorgen, mehrere Waldstettener graben mit: Schorsch
fährt den Bagger, Maximilian schneidet mit einer Motorfräse den Asphalt auf, ein Anstreicher hackt, ein Klempner schaufelt, das Dorf packt an. Andere Dörfer wollen auch Glasfaser wie Waldstetten, aber sie wollen, dass der Staat bezahlt. Hartmann wollte nicht warten auf den Staat, er war früher dran als Merkel, Steinbrück und das
Konjunkturpaket. Wenn alle helfen, ist eine Gemeinschaft stark: Das ist das Hartmann-Prinzip, es klingt wie in einem Heimatfilm aus den fünfziger Jahren. Das Modell Waldstetten. [mehr...]
Das Online-Leben nach dem Tod
(netzeitung.de vom 25.3.2009)
Einige Unternehmen haben sich darauf spezialisiert, den Angehörigen von Verstorbenen im Internet zu helfen. Nicht um Trauer geht es ihnen, sondern um das sichere Verwahren von Passwörtern und
Zugangsinformationen. Als Jerald Spangenberg zusammenbrach und mitten in einem Online-Rollenspiel starb, stand seine Tochter plötzlich vor einer großen Herausforderung: Wie sollte seine Online-Community erfahren, dass ihr
Vater tot war? Sein Passwort für «World of Warcraft» hatte sie nicht und auch der Herausgeber des Spiels konnte ihr nicht helfen. Melissa Allen Spangenberg schaffte es schließlich, in dem sie online
nach der «Gilde» suchte, der ihr Vater angehörte. Eines der Gilde-Mitglieder, Chuck Pagoria, hörte dann drei Wochen später von Spangenbergs Tod. Dass er an jenem Abend plötzlich verschwunden war und nicht mehr reagiert hatte, führte er auf einen
Online-Streit zurück. «Ich dachte, der brauchte etwas Zeit, um sich wieder zu beruhigen», sagte Pagoria. «Ich war betroffen und wie umgehauen, als ich dann von seinem Tod hörte. Davon wusste niemand
etwas.» Da Online-Netzwerke immer wichtiger in unserem Leben werden, werden sie auch wichtiger beim Tod. Spangenberg, der 57 Jahre alt war, traf es völlig unvorbereitet. Andere hinterlegen inzwischen ganz
detaillierte Anweisungen. Einige kleine Unternehmen haben sich auch schon darauf spezialisiert, bei Todesfällen im Internet zu helfen. [mehr...]
Mülltonnen-Netzwerk bettelt per SMS um Leerung
(spiegel.de vom 27.3.2009)
Die US-Stadt Somerville will 50 Mülltonnen per Mobilfunk vernetzen, um die Entleerung zu optimieren und so Energie und Geld zu sparen. Möglich wird dies durch solarbetriebene Müllpressen, die an
Disneys Müll-Roboter "Wall-E" erinnern.
Das Städtchen Somerville im US-Bundesstaat Massachusetts ist bislang nicht als Hightech-Standort aufgefallen. Aber das könnte sich in Zukunft ändern, wenn das neue Müllkonzept der Stadt aufgeht: Die
Gemeinde will nämlich 50 Hightech-Abfalleimer per SMS vernetzen.
Das Konzept der vernetzten Mülltonnen sieht vor, dass die Behälter via Mobilfunk anzeigen, wenn sie fast voll sind. Dadurch sollen die Tonnen immer zum idealen Zeitpunkt geleert werden. Und diese
punktgenaue Leerung soll die Umwelt schonen, den Verkehr in der Innenstadt reduzieren und jährlich 14.000 Dollar in Form von Sprit- und Personalkosten einsparen. Dies erklärte jedenfalls der Chef der
Stadtverwaltung, Michael Lambert, gegenüber "New York Times". Dass ausgerechnet durch die elektronische Aufrüstung von eigentlich simplen Gegenständen die Umwelt geschont werden soll, wirkt auf den ersten Blick natürlich absurd. Schließlich entstehen durch
Herstellung, Installation und Betrieb der Technik erst einmal neue Belastungen. Aber hinter den SMS-Tonnen steckt mehr als eine Mobilfunkspielerei. Bei den Mülltonnen, die in Somerville mit SMS-Funktionen aufgerüstet werden, handelt es sich schon jetzt um Hightech-Exemplare. Das Modell BigBelly Solar der Firma Seahorse Power ist nämlich nicht nur
ein Behälter, sondern eine vollautomatische Müllpresse. Der "große Bauch" komprimiert den Abfall, wenn Sensoren einen bestimmten Füllstand melden. Durch wiederholtes Pressen können die Tonnen so
mindestens fünfmal mehr Müll aufnehmen als herkömmliche Modelle gleicher Größe. [mehr...]
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