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Feature Artikel
Die virtuelle Visitenkarte
(stuttgarter-zeitung.de vom 29.4.2009)
Ein kleines buntes Plastikteil mit USB-Stick und Funkchip erlaubt den Austausch digitaler Kontakte.
Die Nachfrage ist riesig, und das Unternehmen kommt mit der Produktion kaum nach. Eine solche Erfolgsgeschichte erlebt im Moment das Unternehmen Poken. Die Idee: statt bei einem Treffen gedruckte
Visitenkarten auszutauschen, werden die Kontaktdaten per Funk übermittelt.
"Heute schon gepokt?" Dieser merkwürdige Satz könnte der Beginn einer kleinen Kulturrevolution sein oder ein vorübergehender Spleen von Technikverliebten. Bei Bloggertreffen und Konferenzen von
Onlineexperten macht dieser Satz bereits die Runde. Gemeinhin gilt diese Szene als Vorreiter bei der Verbreitung von technischen Innovationen. Andererseits hat sich auch schon so manches technische
Spielzeug im Nachhinein als unpraktisch oder überflüssig entpuppt.
Sympatischer Billigartikel
Poken ist ohne Zweifel eine nette Spielerei, die eigentlich nur vorhandene Technologien in einem neuen Mix präsentiert. Das kleine Gerät selbst besteht aus einem USB-Speicherstick, in den ein
RFID-Funkchip integriert wurde. Zusammen mit einem als Sympathieträger gestalteten Plastikkopf, den es in verschiedenen Ausführungen gibt (siehe Abbildungen), handelt es sich also im Grunde um einen
Billigartikel.
Ein Poken ist für 15 Euro zu haben. In Funktion tritt er, wenn sich zwei Besitzer eines jeweils individuell kodierten Gerätes treffen. Dann werden die beiden Plastikteile übereinandergehalten und
signalisieren grün aufblinkend, dass der Kontakt gespeichert wurde.
Abgebildet wird der Kontakt dann im Internet, wenn man den USB-Stick an den heimischen Rechner anschließt. Automatisch wird die Poken-Website aufgerufen, auf der von den Kontaktpersonen gestaltete,
digitale Visitenkarten einsehbar sind. Angezeigt werden die Informationen, die die Poken-Inhaber ebendort hinterlegt haben.
Neben den üblichen Kontaktdaten sind dies vor allem Weblinks zu den Nutzerprofilen in den verschiedenen Onlinenetzwerken wie zum Beispiel bei Twitter, Facebook, Xing oder Myspace.
Die Welt der Blogger und Onlinenetzwerker ist jedenfalls recht angetan von dem neuen Angebot, denn in der Vergangenheit gab es das Problem, dass zwar klassische Visitenkarten ausgetauscht wurden, aber
dann musste mühsam in jedem Onlineangebot recherchiert werden, ob die neue Bekanntschaft dort vertreten ist. Jetzt genügt ein Klick auf die Poken-Visitenkarte und man kann sich virtuell verknüpfen auf
all den mit Millionen von neuen Nutzern rasant wachsenden Angeboten. [mehr...]
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Aktuelles
Die digitalen Samariter
(zeit.de vom 28.5.2009)
Fundbüros im Internet schaffen eine neue Form der Solidarität - und helfen uns dabei, Gutes zu tun
Die guten Taten des Taxifahrers Anton Wimmer aus München entstanden nicht aus Menschenliebe, sondern aus einer Geschäftsidee. Er sicherte sich vor gut acht Jahren die Internetadressen
handyverloren.de, handygefunden.de und handyregistrieren.de, weil er glaubte, wenn sich diese Adressen herumsprechen würden, wären sie die ideale Börse, um in Deutschland verlorene Handys an ihre
Besitzer zurückzugeben. Und irgendwann, so die Hoffnung, würde ihm ein Telefonunternehmen viel Geld bieten, um die Adressen zu kaufen. Leider ist es dazu nicht gekommen. Und deshalb muss Anton Wimmer
weiterhin Taxi fahren. Aber im Internet ist eine Idee entstanden, die Gutes bewirkt, auch wenn sie gar nicht gut gemeint war.
Anton Wimmer betreibt die Seite, wenn auch mit geringem Aufwand, inzwischen ehrenamtlich. Ehrenamt, das klingt nach Schriftführer und Kassenwart. Viele Menschen wollen kein Amt mehr und keine Ehre.
Sie möchten sich nicht binden an eine Tätigkeit, die sie verpflichtet, jeden dritten Abend, sagen wir: Sanitäter zu sein. Aber ein bisschen Gutes tun will der Mensch ja vielleicht doch. Das Internet
macht es ihm einfach.
Anton Wimmer ist nicht allein. User schreiben Einträge in Foren, um Fremden bei der Handhabung ihrer Videokameras zu helfen (www.slashcam.de). Andere fahren mit ihrem GPS-Handy Straßen ab, um das
Projekt Openmap (www.openmap.org) zu unterstützen, eine nichtkommerzielle Konkurrenz zu Google Maps. Wieder andere stellen Speicherplatz ihrer Festplatte umsonst an Forscher ab, die damit
Rechenaufgaben bewältigen, die sie allein nie lösen könnten. Und in England gibt ein Ärzte-Ehepaar per Webcam Tipps, wie Kollegen in Bangladesch ihre Patienten behandeln können. [mehr...]
Das Web beflügelt Lateinamerika
(manager-magazin.de vom 7.6.2009)
Wo klassische Medien unterdrückt und beeinflusst werden, bahnt sich die Freiheit via Internet einen Weg. Die Staaten Lateinamerikas geben dafür viele Beispiele - so wie die erfolgreiche
Nachrichtenseite Lavaca aus Argentinien.
Buenos Aires - Um die Pressefreiheit war es in Lateinamerika lange Zeit nicht gut bestellt. Zeitungsverlage sowie Radio- und Fernsehstationen befinden sich meist in der Hand einiger weniger
Unternehmensgruppen, die jeweiligen Regierungen mischen sich ganz ungeniert in redaktionelle Abläufe ein, und investigativer Journalismus wird für Reporter schnell lebensgefährlich und ist deshalb
eher die Ausnahme.
Doch das Internet und seine explosionsartig wachsenden Möglichkeiten haben inzwischen völlig neue Informationskanäle geöffnet. Der größte Unterschied zu den klassischen Medien ist vermutlich, dass im
Internet E-Mails oder Blogs und nun auch soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter und Co. nicht so leicht an die Kandare zu legen sind. Was das für den Journalismus und insbesondere für die Vermeidung
von Konflikten weltweit bedeuten kann, damit beschäftigte sich von Mittwoch bis Freitag auch das von der "Deutschen Welle" veranstaltete Global Media Forum in Bonn.
Während traditionelle Medien weltweit diskutieren, wie sie sich an die neuen Gegebenheiten anpassen und in ihnen überleben können, nutzen Außenseiter längst die neuen Kommunikationsformen. Ein gutes
Beispiel für die vielen, in ganz Lateinamerika verbreiteten neuen "Nachrichtenanbieter" ist Lavaca.org aus der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires. Die Kooperative wurde im März 2001 von
professionellen Journalisten wie Claudia Acuña gegründet. "Ich habe lange in traditionellen Medien gearbeitet. Dann kündigte ich und war auf der Straße, genau da, wo man damals sein musste", erzählt
sie.
Kurz darauf fegten landesweite Straßenproteste unter dem Motto "Que se vayan todos" (Haut alle ab) zur Jahreswende 2001/2002 den Präsidenten Fernando de la Rua aus dem Amt. Bei Unruhen in Buenos Aires
starben damals mehr als 25 Menschen, und Lavaca gewann mit ungefilterten Reportagen direkt von den Straßenkämpfen und aus den Stadtteilversammlungen erheblichen Einfluss auch auf die klassischen
Medien. [mehr...]
Üble Bankster und smexy Smoker
(spiegel.de vom 15.6.2009)
Keine Angst vor Suppenkoma: Die Duden-Redaktion will ihr "Wörterbuch der Szenesprachen" aktualisieren, holt sich dafür Nachhilfe im Web. Die Community hilft begeistert - binnen weniger Wochen sind
mehr als 1200 hippe Begriffe vorgeschlagen worden.
Hamburg/Mannheim - Von A wie "Achselterror" (Schweiß unterm Arm) bis Z wie "Z-Promi" (fast unbekanntes Sternchen): Mehr als 1200 angesagte Ausdrücke dieser Art sind in den vergangenen Wochen auf einer
eigens eingerichteten Internet-Seite, einem sogenannten Wiki, eingetragen worden. "BTW" (By the way, also übrigens - ein "Übrigens", das beiläufig tut, aber wichtig ist): Die Duden-Redaktion und das
Hamburger Trendbüro haben daraus jetzt Begriffe für ihr " Neues Wörterbuch der Szenesprachen" ausgesucht. Ab Herbst können Leser damit ihren "Denkmuskel" (das Gehirn) "beschlauen". Auch online ist die
Lektüre bereits voll "porno" (interessant, geil, fett).
Im Jahr 2000 gab es einen ersten Szenesprachen-Duden. Das ist also schon ewig her, wenn man in Kategorien von "In" und "Out" denkt und ein echtes "Modeopfer" (fast krankhaft trendy) ist. Das Werk war
ein echter "Pageturner" (ein spannendes Buch). Und auch wenn sich der damalige Bestseller noch gar nicht so "wack" (HipHop-Deutsch: schlecht) liest: Eine Neuausgabe ist überfällig. Seit der
Jahrtausendwende hat sich schließlich viel getan.
Unter den Vorschlägen für die 2009er-Ausgabe finden sich Wörter, die vor neun Jahren noch gar nicht möglich waren. Beispiele: "Blogorhö" (unkontrollierte, durchfallartige Geschwätzigkeit im Internet -
wie Diarrhö; neuerdings auch: "Twitterhö") oder aber "Castingopfer" (Menschen, die zum "Fremdschämen" schlecht singen und sich trotzdem bei TV-Castingshows wie "Deutschland sucht den Superstar"
bewerben und blamieren). [mehr...]
UN starten neue Online-"Volksuniversität"
(heise.de vom 8.6.2009)
Seit Ende April hat die neue Universität bereits erste Studenten aufgenommen - nun haben die Vereinten Nationen den Start der neuen "Online-Volksuniversität" offiziell bekannt gegeben. Noch ist die
University of the People kostenlos. Geplant ist allerdings, ab 2010 Gebühren zu erheben. Es werden dann vermutlich 20 bis 50 US-Dollar Aufnahmegebühren und für jede Prüfung zwischen 10 und 100
US-Dollar fällig. Wenn im Laufe des Studiums bis zu 40 Prüfungen stattfinden, dann kommt dabei schon auch einiges zusammen. Angeblich soll die Höchstsumme laut der Universität bei 450 US-Dollar
liegen, womit die Ausgaben weit unter den üblichen Kosten liegen würden.
Die UN Global Alliance for Information and Communication Technology and Development (GAID) will mit der von ihr eingerichteten Online-Universität zeigen, wie sich mit der Informations- und
Kommunikations-technologie weltweit die Ausbildungssituation verbessern ließe.
Der israelische Unternehmer Shai Reshef, der Gründer der Universität und Betreiber des Hausaufgaben-diensts Cramster.com, hat für die Universität eine Million Dollar gespendet. Bislang sei Hunderten
Millionen von Menschen der Zugang zu Universitäten verwehrt, sagte er. Dabei spiele nicht nur das Geld eine Rolle, sondern es fehlten regional auch die Institutionen; oder es sei den Menschen nicht
möglich, für ein Studium umzuziehen.
Die auf Web-2.0-Grundlagen aufbauende Volksuniversität soll es Menschen, sofern sie einen entsprechenden Abschluss und ausreichende Englischkenntnisse besitzen, nun ermöglichen, von Zuhause aus bei
minimalen Kosten und der Verwendung von Open-Source-Techniken und Open-Course-Material sowie mit E-Learning-Methoden und P2P-Lehre zu studieren. Es werden jeweils Klassen mit 15 bis 20 Studenten
gebildet. Wöchentlich wird offenbar eine Vorlesung angeboten. Neben den Kommilitonen sollen auch Professoren, Postgraduierte und Studenten aus anderen Kursen Hilfe anbieten. Die Studenten erhalten
kostenlose Studienmaterialien. Erwartet werden die aktive Teilnahme an den Kursen, die Kommunikation mit Dozenten und Kommilitonen und eine wöchentliche Arbeits- und Lernzeit von mindestens 8
Stunden.
Bislang hätten sich 200 Studenten aus 52 Ländern, vor allem aus China, für die zwei vorhandenen Kurse in Computer- und Betriebswissenschaft eingeschrieben. Für das erste Semester werden nicht mehr als
300 Studenten aufgenommen. Notwendig für den weiteren Betrieb der Universität wären innerhalb von vier Jahren 15.000 Studenten. Während dieser Zeit würden die Kosten etwa 6 Millionen US-Dollar
betragen. Master- und Promotionsabschlüsse können noch nicht vergeben werden, die Abschlüsse sollen dem Bachelor vergleichbar sein. Reshef hofft jedoch, in den nächsten Jahren eine Akkreditierung der
Universität zu erhalten.
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