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Feature Artikel
Der Feierabend hat Feierabend
(zeit.de vom 28.8.2008)
Früher klingelte das Telefon nach zehn nur, wenn etwas Schlimmes passiert war. Heute klingelt das Handy, weil dem Chef wieder was eingefallen ist. Und wir checken noch mal schnell unsere Mails. Sind
wir denn alle verrückt geworden? Gesellschaft
Ich saß abends mit vier Freunden auf dem Trottoir bei einem Italiener über klein karierten rot-weißen Tischdecken, und es gab Wein und Vorspeisenteller, in Öl getränkte Artischocken. Die Sonne ging
unter, und es war warm, und die Straßenmusiker standen Schlange, um ihre Lieder anzustimmen. Sommer! Feierabend! Und die Bäume glitzerten unter der sanften Straßenbeleuchtung, und winzige Mücken
tanzten vergnügt ums Licht. Das Architekturbüro war geschlossen, die Redaktion, die Literaturagentur, das IT-Büro. Schön.
Und einer der Freunde, so Anfang 30, entschuldigte sich kurz, nicht um die Toilette aufzusuchen, sondern er zog sein BlackBerry aus der Tasche. Eine Mail, eine dringende, sorry. Die hatte er ganz
vergessen zu schreiben. Die Daumen zuckten irre schnell über die Tastatur. Ab und an warf an diesem Abend jeder am Tisch einen verstohlenen Blick auf sein Handy, schrieb rasch eine SMS. Manchmal
klingelte es auch. Und die Ansprüche an die Höflichkeit, wie dies dann immer geschieht, kollidierten. Wegdrücken? Das wäre unfein dem Anrufer gegenüber. Ausklingeln lassen? Das wäre nervig. Drangehen?
Man müsste das Tischgespräch grob unterbrechen.
Man entschied von Fall zu Fall. Aber man ging gerne dran, wenn es was Berufliches war. Weil es wichtig war. Weil man wichtig war. Klar, man rollte dann mit den Augen, es sah aus wie "Muss das denn
jetzt sein!". Wenn es besonders wichtig war, stand man mit Entschuldigungsgesten auf, ein paar Meter weiter konnte man vertraulich sprechen, auf und ab gehend, die Schlangenlinien des modernen
Großstädters.
Immer noch besser als der Feierabend, den man von früher her noch kennt. Als es nach dem Abendbrot nur noch die Couch gab und die Tagesschau. Und wenn jemand anrief, erhob sich Mutter sehr umständlich
vom Sessel und griff zum großen grünen Telefonhörer, es war die Tante oder die Großmutter. Und nach 22 Uhr rief nur dann jemand an, wenn ein Verwandter gestorben war. "Feierabend", das klingt heute
wie "Mahlzeit" oder "Hobbykeller", ein aussterbendes Wort für ein aussterbendes Ritual.
Vom Abendessen beim Italiener war ich kurz vor Mitternacht zurückgekehrt. Mit bereits heraufziehenden Kopfschmerzen setzte ich mich noch kurz an den Schreibtisch. Nur rasch noch Mails checken vor dem
Schlafengehen. Ich habe zwei Mailadressen, eine berufliche und eine private. An die private Adresse schickt man mir gerne berufliche Mails. Wenn ich nicht mehr im Büro bin, denken die Kollegen, dass
ich über die private Adresse erreichbar sei. Die berufliche nutzen meine Freunde, weil sie wissen, dass ich tagsüber gut in der Redaktion erreichbar bin. Ich checke immer beide. Schon deshalb wäre es
irrsinnig, sich für die beruflichen Anrufe ein zweites Handy anzuschaffen. Es ist eh schon alles durcheinandergeraten. [mehr...]
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Aktuelles
Diese Internetseite tritt Ihnen in den Hintern
(welt.de vom 4.9.2008)
Eine neue Internetseite hilft dabei, die eigenen Ziele zu erreichen: also Abnehmen, mit dem Rauchen aufhören, regelmäßig Joggen. StikK.com übernimmt dabei die Aufgabe des Überwachers. Hält man sich
nicht an seine selbstgesteckten Vorgaben, muss man zahlen - an eine gemeinnützige Organisation.
Stikk.com hilft den Nutzern, ihre selbstgesteckten Ziele zu erreichen
StickK.com ist eine Seite, auf der Internetsurfer einen Vertrag mit sich selbst abschließen können, um ein lang gehegtes Ziel zu erreichen. Egal, ob jemand sein Lernpensum absolvieren, ein Projekt
fertigstellen oder das eigene Gewicht reduzieren will - wer das Selbstversprechen nicht einhält, muss zahlen. Das "StickK"-System ist in vier Stufen eingeteilt: Zuerst muss der Benutzer unter "Goal" das gewünschte Ziel festsetzen. Der gute Vorsatz wird formuliert und danach abgespeichert. Im System sind
zahlreiche Musterfälle abgelegt, die bei Bedarf genutzt werden können - besonders beliebte Fälle: "Reduziere dein Gewicht", "Höre mit dem Rauchen auf" oder "Geh regelmäßig laufen". Ist das gewünschte
Ziel unter den Musterfällen nicht zu finden, lässt es sich unter "Custom Goal" individuell festlegen.
Je nach ausgewähltem Fall folgt eine Detailübersicht, in der die Einzelheiten des gesteckten Ziels festgehalten werden. Wer sein Gewicht reduzieren will, muss also den aktuellen Kilo-Stand eintragen
sowie das Zielgewicht und die Zeitspanne, in der er abspecken will. Außerdem fragt "stickK" den Nutzer, wie oft er Bericht erstatten will - denn ohne regelmäßige Fortschrittsmeldungen läuft auf der
Plattform nichts. Außerdem kann der Bericht auf Wunsch an Vorgesetzte, Freunde, Bekannte geschickt werden.
Danach legt der Teilnehmer unter "Stakes" fest, was er tun muss, wenn er das selbst gesetzte Ziel nicht erreicht: Wöchentlich hat er dann eine bestimmte Summe zu bezahlen, in der Regel an
gemeinnützige Organisationen. Um den Ansporn zu verstärken, empfiehlt stickK, das Geld an eine Organisation zu spenden, die der Teilnehmer überhaupt nicht mag, also beispielsweise an die Waffenlobby
oder eine bestimmte Partei. {L href=http://www.welt.de/webwelt/article2394190/Diese-Internetseite-tritt-Ihnen-in-den-Hintern.html descr=[mehr...]}
Satelliten-Web für die Dritte Welt
(spiegel.de vom 9.9.2008)
Es ist ein ambitionierter Plan: Das Unternehmen O3b will Datendienste per Satellit bis in die letzte Hütte bringen - zu bezahlbaren Preisen. Potente Geldgeber wie Google und die HSBC-Bank finanzieren
das gewagte Projekt.
Google dreht voll auf. Nachdem sich der Konzern schon für umweltfreundlichen Strom einsetzt, will er jetzt auch noch das Internet in die Dritte Welt bringen. Das Unternehmen stieg als Geldgeber in ein
großangelegtes Projekt ein, dessen Ziel es ist, Entwicklungsländer mit schnellen und bezahlbaren Daten- und Kommunikationsdiensten zu versorgen. Dessen Name ist Programm: O3b Networks heißt die für
das Projekt gegründete Firma. O3b steht hier für "other 3 billion", also die anderen drei Milliarden.
Gemeint sind jene rund drei Milliarden Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern, die bis heute vom Internet und modernen Kommunikationsdiensten ausgeschlossen sind. Weite Teile Asiens, Afrikas,
Lateinamerikas und des Nahen Ostens verfügen über keine oder nur rudimentäre Internet-Infrastruktur. Der Grund für den Mangel ist Geldknappheit: Glasfaser- oder Kupferkabel in entlegene Regionen zu
verlegen, ist teuer und aufwendig, die resultierenden Online-Gebühren wären viel zu hoch für die Bevölkerung - doch das soll sich bald ändern. Initiator von O3b ist Greg Wyler. Der US-Bürger hat sich schon vor Jahren einen Namen gemacht, als er in Ruanda eines der modernsten Mobilfunknetze der Welt aufbauen ließ. Doch das war dem engagierten
Jungmillionär bei weitem nicht genug. Jetzt will er gleich ganze Kontinente mit billigen Netzwerkverbindungen versorgen. [mehr...]
"Generation Internet" wird Wirtschaft dramatisch verändern
(derstandard.at vom 7.9.2008)
"Diese neue Generation setzt auf Beziehungen und Zusammenarbeit. Arbeiten, lernen und Spaß haben wächst zusammen. Die erste Generation, die ihre Jugend mit dem Internet und digitalen Techniken verbracht hat, ist erwachsen geworden und drängt auf den Arbeitsmarkt. Allen Unkenrufen zum Trotz sind sie weder
politisch uninteressiert, oberflächlich noch computersüchtig - ganz im Gegenteil. "Das sind Stereotype und Vorurteile", erklärte Don Tapscott, Trendforscher, Mitautor des Bestsellers "Wikinomics" und
Chef des Strategieunternehmens nGenera.
Beziehungen und Zusammenarbeit
"Diese neue Generation setzt auf Beziehungen und Zusammenarbeit. Arbeiten, lernen und Spaß haben wächst zusammen. Das wird massive Auswirkungen auf die Unternehmenskultur haben", prognostiziert
Tapscott. Strategiespiele, recherchieren im Web und Online-Kommunikation hätten sich sehr positiv auf die Jugendlichen ausgewirkt. "Freiheit ist wie Sauerstoff für sie, sie wollen alles an ihre
Anforderungen anpassen, sie hinterfragen alles", so der Experte. Tapscott bezeichnet diese auf den Arbeitsmarkt drängende Generation als "Net Generation" und nicht - wie andere Experten - als
"Millennials", da sie "nicht durch die Jahrtausendwende geprägt sind, sondern durch das Internet". Die Zeit, die sie online verbringen, geht nicht zulasten von Freundschaften, sondern zulasten des
TV-Konsums. Fernsehen läuft nebenbei und wird zum "Hintergrundmedium", erklärte der Trendforscher, der Hauptredner des gestern, Samstag, zu Ende gegangenen Kongresses "Talk the future" im
niederösterreichischen Krems war.
Kampf um Talente
Er hat für sein neues Buch "Grown Up Digital", das im Dezember auf den Markt kommt, rund 11.000 Jugendliche befragt, die mit dem Internet aufgewachsen sind. Ergebnis: "Die Internetgeneration ist eine
Autorität geworden. Sie wird Teil einer Entwicklung, die Gesellschaft, Politik und Wirtschaft verändert", sagte Tapscott. Die große Herausforderung für Europa sei, dass die Zahl der jungen Menschen
abnimmt. Das werde den Kampf um Talente weiter anheizen. Die Gesellschaft müsse ihre Einstellung gegenüber Jugendlichen ändern, sie mehr miteinbeziehen, auf sie hören und von ihnen lernen.
Eine weltweite Bewegung
"Das neue Web bietet die Chance, große globale Probleme wie etwa die Klimaveränderung zu lösen. In den nächsten zehn Jahren werden wir das Entstehen einer weltweiten Bewegung, die hundert Millionen
Menschen oder mehr umfasst, erleben - im Internet", so Tapscott. Die Welt sei früher schon mobilisiert worden, etwa in Weltkriegen. "Aber jetzt werden erstmals alle auf einer Seite stehen. Und das
brauchen wir auch, um die großen Probleme zu bewältigen", gab sich der Experte überzeugt. Allerdings bestehe die Gefahr, "dass wir eine Welt erschaffen, die zwischen Wissern und Nichtwissern,
Begüterten und Habenichtsen oder Leuten, die mit der Welt kommunizieren und solche, die das nicht können, aufgeteilt ist". Durch den fehlenden Zugang zum Internet würde eine strukturelle 'Unterklasse'
in der Gesellschaft entstehen. Dies zu verhindern sei nicht die alleinige Aufgabe der Regierungen, Unternehmen, Bildungseinrichtungen oder Eltern. "Aus meiner Sicht sind alle verantwortlich, weil
diese neue Entwicklung alle betrifft", erläuterte Tapscott.(APA)
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