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Feature Artikel
In den Jobhotels von Schanghai
(faz.net vom 5.11.2009)
Eigentlich müsste sich Dong Xiaoyue keine Sorgen machen. Gerade hat er sein Studium an einer der bekanntesten Pekinger Hochschulen abgeschlossen. 90 Prozent aller Absolventen dieses Jahrgangs haben
schon eine Stelle, brüstet sich die Hochschule. Auch Dong Xiaoyue fand seinen Namen auf einer entsprechenden Liste - und war fassungslos. Bis zu dem Zeitpunkt, als er die Liste las, war er erfolglos
von Jobmesse zu Jobmesse gepilgert, so wie die meisten seiner Kommilitonen. "Nur zehn von 29 Studenten meiner Abschlussklasse haben einen Job", sagt der 24 Jahre alte Absolvent und blickt resigniert
durch seine Nickelbrille. Die Beschäftigungsstatistik seiner Universität stimmt offensichtlich nicht mit der Realität überein, so wie viele Zahlenwerke in der Volksrepublik.
Den offiziellen Zahlen zufolge hat China die Finanzkrise bislang erstaunlich gut überstanden. Demnach waren gerade mal 4,3 Prozent der Stadtbevölkerung zur Jahresmitte arbeitslos. Über zwei Drittel
der Studenten, die die Hochschulen dieses Jahr auf den Arbeitsmarkt entlassen, haben einen Arbeitsvertrag unterschrieben. Was diese Statistiken nicht verraten, enthüllte kürzlich Tianya, Chinas
bekanntestes Online-Forum. Hier lassen sich vor allem junge Chinesen über alles aus, was sie im Alltag des Milliardenvolkes aufregt, auch über den seit der Finanzkrise noch gnadenloser gewordenen
Konkurrenzkampf auf dem Arbeitsmarkt. In dem Tianya-Forum beschrieb ein Student aus Xian als einer der Ersten, was er per Zufall in den Unterlagen seiner Universität entdeckt hatte. Danach hatte ihn
ein Unternehmen angestellt, von dem er noch nie gehört hatte. Als er den Namen überprüfte, fand er heraus: Seine Universität hatte ihn bei einem Phantasiearbeitgeber registriert, um die eigenen
Statistiken schönen. [mehr...]
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Aktuelles
Unsere Zukunft in der Matrix
(zeit.de vom 8.11.2009)
Wem gehören unsere Daten? Wer bremst Google? Zerstört das Internet die Mittelschicht? Durch die Vernetzung der Welt bleibt nichts, wie es war. Ein Essay von Nicholas Carr
Im Jahr 1884 errichtete die Deutsche Edison-Gesellschaft in Berlin Deutschlands erstes Elektrizitätswerk. Es handelte sich um eine kleine Generatorenstation in der Friedrichstraße. Der Strom, den das
Kraftwerk produzierte, wurde per Kabel an die umliegenden Unternehmen geliefert, auch an das beliebte Café Bayer, das damit seine elektrische Beleuchtung betrieb. Im folgenden Jahr errichtete die
Deutsche Edison-Gesellschaft in der Markgrafenstraße eine weitere Anlage, die ebenfalls elektrisches Licht lieferte. Bis zum Jahr 1900 sollten in ganz Deutschland über 200 Kraftwerke in Betrieb gehen.
Das moderne Stromnetz war geboren.
Dieses Netz setzte eine ökonomische und soziale Revolution in Gang, deren Konsequenzen sich kaum überschätzen lassen. Das elektrische Licht veränderte die Rhythmen des Lebens. Elektrisch betriebene
Fließbänder schufen neue Arbeitsformen. Elektrifizierte Medien verwandelten die Verbreitung von Nachrichten und Unterhaltung. Und elektrische Geräte brachten die industrielle Revolution in die
privaten Haushalte. Billiger Strom erschuf die Welt, in der wir heute leben - eine Welt, die noch vor 100 Jahren nicht existierte. [mehr...]
Zum Glück kein Wikipedia!
(zeit.de vom 12.11.2009)
Klischees, Klischees und, ach ja, Klischees: Die Website "TV Tropes" zerlegt Bücher in ihre erzählerischen Einzelteile. Eine witzige, wilde Sammlung.
Warum dürfen in Kinderbüchern die Mädchen oft viel klüger sein als alle Jungs um sie herum? Wer hat zum ersten Mal den Butler zum Mörder gemacht? Und wie kommt es, dass gute Feen am liebsten exakt
drei Wünsche erfüllen? Seit Frühling 2003 sammelt die englischsprachige Website TV Tropes.org kritische Fragen und Beobachtungen über Bücher, Filme, Fernsehserien, Comics, Videospiele und Mangas. TV
Tropes ist ein Wiki, lebt also davon, dass die Nutzer selbst Artikel aufbauen und mit Beispielen versehen. Anders als Wikipedia hat TV Tropes dabei keine Relevanz-Schwelle: Wenn 15 verschiedene gute
Feen in 15 alten tschechischen Märchenfilmen jeweils drei Wünsche erfüllen, dann wird man auf TV Tropes diese 15 Geschichten finden, zusammen mit Verweisen auf Hunderte andere Feen aus jedem Medium.
TV Tropes ist ein riesiger Katalog über Motive, Ideen und Klischees: Woher sie stammen. Wer sie benutzt. Und wie sie sich kulturell immer weiter entwickeln. In seiner Theorie vom "Monomythos"
untersuchte der amerikanische Mythologe Joseph Campbell Heldengeschichten aus verschiedenen Kulturen und fand immer wiederkehrende Ereignisketten und Schrittfolgen. TV Tropes leistet die überfällige
Fortschreibung dieses Modells, ein geglücktes Projekt des Web 2.0. [mehr...]
Dieses Handy kann nur Twitter!
(bild.de vom 6.11.2009)
Das TwitterPeek ist kein Smartphone, es ist auch kein PDA, es hat keine Apps und nicht mal einen Taschenrechner.
Es ist das erste Handy, das nur zum Twittern taugt.
Das Twitter-Phone kostet in den USA knapp 200 Dollar (134 Euro) inklusive Datenflatrate und kann nichts anderes, als sich in ein Twitter-Konto einzuloggen, Nachrichten zu posten und Tweets zu lesen.
Keine E-Mails, kein Internet, keine SMS oder Anrufe stören den Twitter-Fluss. Eine kleine QWERTY-Tatstatur ermöglicht schnelles Tippen. Das Gerät wird bisher nur in den USA angeboten.
Zwar kann man Twitter heute auf fast jedem Smartphone nutzen - es gibt Twitter-Apps für fast jedes Betriebssystem. Doch der Trend geht wieder hin zu Geräten, die nur eine Anwendung bieten, diese aber
sehr gut beherrschen.
Ein weiteres Beispiel für diese One-in-One-Geräte: der Mini-Camcorder Flip von Cisco. Er macht Videoaufnahmen einfach und günstig (Preis: 200 Euro). Mehr nicht. Smartphones mit Videofunktion ist es
eindeutig überlegen. Und über eine Webseite lassen sich die Videos einfach zu den gängigen Videoplattformen hochladen. Das Flip bietet die meisten Funktionen eines Camcorders für einen Bruchteil der
Kosten.
Es werde Kunst!
(sueddeutsche.de vom 13.11.2009)
Eine Firefox-Erweiterung verwandelt Werbebanner in zeitgenössische Kunstwerke
Chris Anderson, dem Bestsellerautor und Chefredakteur des amerikanischen Kultmagazins Wired, wird diese lakonische Floskel zugeschrieben: "Das sind die Links, auf die ich noch nie geklickt habe."
Gemeint hat er damit die Werbebanner auf, in und neben den Texten von Internetseiten, die häufig mit aggressivem Geblinke um die Aufmerksamkeit des Nutzers buhlen.
Und irgendwie scheint das menschliche Hirn diese virtuellen Neonreklamen tatsächlich wegblenden zu können. Man nimmt sie nach einiger Zeit kaum noch wahr. Dennoch sind die "Content-Ads" und
"Skyscraper" von den Webseiten nicht wegzudenken, oftmals begründen sie sogar die einzigen Geschäftsmodelle von deren Betreibern. Doch je hartnäckiger die Nutzer das multimediale Gewimmer ignorieren,
umso schreiender werden die Annoncen. Was tun?
Eine Software-Entwicklergruppe, die sich "artzilla" nennt, geht kreativ mit den optischen Belästigungen um und lässt sie automatisiert ersetzen. Egal, welche Seite man aufruft: Statt der Banner werden
an deren Stelle Foto-Porträts und Gemälde eingeblendet, nicht-blinkend, von klassischer Ruhe und beeindruckender Präsenz. Kunst, wohin man klickt. [mehr...]
Den Mächtigen auf die Füße treten
(zeit.de vom 22.10.2009)
Auf Wikileaks lassen sich Dokumente einsehen, die eigentlich nie für die Öffentlichkeit bestimmt waren. Das ärgert viele, doch es ist gut für die Welt.
Derzeit verhandeln die USA und die EU über ein Handelsabkommen, kurz ACTA genannt. Die multilateralen Gespräche betreffen unter anderem so heikle Themen wie Internetsperren und Zwangsfilter. Fragen,
die wichtig sind für eine freie öffentliche Meinungsbildung. Doch niemand bekommt etwas davon mit, die Mächtigen reden hinter verschlossenen Türen. Einzige Informationsquelle über den Stand der Dinge
sind "geleakte" Dokumente. So nennt man es, wenn geheime Papiere nach draußen gelangen und anonym im Internet publiziert werden. "Wir brauchen solche Leaks", sagt der Hamburger Politikwissenschaftler
Hans J. Kleinsteuber. "Weil viele Verfahren viel zu intransparent sind." Anzeige
Zu finden sind solche Dokumente auf "Wikileaks". Gegründet von chinesische Dissidenten, von Mathematikern und Technologen junger Unternehmen aus der ganzen Welt, hat sich die Seite zur zentralen
Sammelstelle für Geheimnisse entwickelt. Über 1,2 Millionen Dokumente, eingestellt von Regimekritikern und anonymen Quellen hat Wikileaks bereits zusammengetragen. Fast täglich kommen neue. Über die
Betreiber selbst ist wenig bekannt.
Die Seite selbst sieht aus wie Wikipedia, das ist Absicht. Die Bedienung soll auch für technische Laien einfach und komfortabel sein. Die Technik im Hintergrund hingegen ist aufwendig.
Kryptographische Verfahren sorgen dafür, dass sicher vor Verfolgung ist, wer geheime Inhalte hochlädt. [mehr...]
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