Als Gründer und CEO von XING begleitete Lars außerdem den Börsengang im Jahr 2006 und machte XING zum weltweit ersten Web 2.0-Unternehmen, das an die Börse ging. Im Januar 2009 gab er seinen Posten als CEO ab und wechselte in den Aufsichtsrat, wo er bis Januar 2010 aktiv war. Im Jahr 2010 gründete er HackFwd, eine innovative Pre-Seed-Investmentgesellschaft, die es sich zur Aufgabe gemacht hat Programmierer von ihren Jobs zu befreien und sie beim Gründen ihrer eigenen Projekte zu unterstützen. Mit Investitionen in Unternehmen wie YieldKit, Cobook und Infogr.am verfügt HackFwd über ein viel beachtetes Portfolio. Lars unterstützt zudem Unternehmertum und Internetpolitik auf lokaler, nationaler und europäischer Ebene.

Welchen speziellen Themen müssen sich Aufsichtsräte ab sofort verstärkt widmen?

Alles was digital werden kann wird digital werden und jeder Business Prozess der sich wiederholt wird durch AI oder Maschine Learning ersetzt werden. Das sind disruptive Veränderungen für jedes Unternehmen. In einer Welt in der Bits & Bytes in Lichtgeschwindigkeit bewegt werden, in der exponentielles Wachstum Normalität hat, herrschen andere Regeln. Wie will man in der globalen Welt mitspielen, wenn man die neuen Regeln nicht versteht? Digitalität muss also als Kernkompetenz in jedem Aufsichtsrat vertreten sein. Denn wie will man kontrollieren, und seiner originären Auftrag gerecht werden, wenn man sich nicht die digitalen Welt auskennt?

Unabhängig vom Kompetenzprofil: Welche persönlichen Eigenschaften sollte ein Aufsichtsratsmitglied mitbringen, um den Herausforderungen der Zeit zu begegnen?

Für mich ist das ein klares Set an Eigenschaften, die man als Aufsichtsrat, aber auch jede Führungskraft erfüllen muss: authenticity, rigorous logic and empathy.

Wenn du etwas jetzt sofort ändern könntest: Was würdest du in Aufsichtsräten als allererstes ändern?

Ich träume von lebenden Daten und weniger von Berichten über die Vergangenheit. Es wäre ein komplettes Umdenken, wenn ich als Aktionärsvertreter, Geschäftsdaten live sehen könnte, wenn ich Zugriff hätte auf Progressreports der letzten Sitzungen, das würde die Konversation dramatisch ändern. Man hätte einen ähnlichen Effekt wie im privaten Freundeskreis, der über viele Dinge durch Social Media bereits bescheid weiss und es viel schneller zum Kern der Sache kommt und wenn man die wirklichen Themen hinter der Fassade von Powerpoints diskutiert. Die Welt wird komplexer und integrierter daher muss man näher dran sein. Nicht nur als Vorstand, sondern auch als Aufsichtsrat ist man gefordert „schwarze Schwäne“ rechtzeitig zu erkennen.

Was würdest du Aufsichtsrats-Neulingen mit auf den Weg geben? Gab es in deiner bisherigen Arbeit als Aufsichtsratsmitglied ein Aha-Erlebnis?

Ich erinnere mich über eine Diskussion über die Shared Economy und ich war der einzigste aktive Nutzer von AirBnB, Car2Go und dergleichen mehr. Deutschland ist ein Hardware Land, mit der wir bis heute sehr gutes Geld verdienen, aber Software regiert die Welt. Wir verspielen unsere Zukunft, wenn wir keine eigene Software Entwickler im Unternehmen haben. Coding ist eine neue Fremdsprache, die man verstehen muss – auch als Aufsichtsrat.

 

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